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29.05.2024

Warum Betreiberpartnerschaften einen Unterschied machen

Ihr Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 – Empfehlungen von Anne Le Strat

Anne Le Strat im Diaolgo mit Moderatorin Belinda Abraham

Anne Le Strat, Doktorin der Geopolitik, engagiert sich seit Jahren für die Herausforderungen des Wassermanagements. Als stellvertretende Bürgermeisterin von Paris (2001 – 2014) hat sie die Rekommunalisierung der Wasserversorgung mit der Gründung von „Eau de Paris“, des größten öffentlichen Wasserunternehmens in Frankreich, dessen Vorsitzende sie war, erfolgreich umgesetzt. Sie war Mitbegründerin und Vorsitzende von „Aqua Publica Europea“, dem europäischen Netzwerk der öffentlichen Wasserversorger und arbeitet derzeit unter anderem als Senior Consultant für UN-Habitats GWOPA.

Auf dem siebten Netzwerktreffen der Betreiberplattform im April 2024 berichtete sie im Rahmen eines Dialoges über ihre Erfahrungen und gab Empfehlungen für die Zukunft von Betreiberpartnerschaften.

Sie zeigte sich erfreut, dass die Solidarität zwischen den europäischen Wasserversorgern zunehmend wachse, was eine wichtige Voraussetzung sei, um sich in der europäischen Politik ausreichend Gehör zu verschaffen. Hierfür brauche es starke öffentliche Unternehmen. Trotz unterschiedlichen rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern würden die Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Herausforderungen, die es zu lösen gäbe, doch überwiegen.

Um die öffentlichen Unternehmen zu stärken, seien drei Dinge besonders wichtig:

  1. Führungsverantwortung im Management entlang einer klaren Vision und untermauert durch eine konsistente Strategie, um allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen zu geben und eine umweltschonende Entsorgung der Abwässer sicherzustellen – und ggf. in der Politik entsprechende Rahmenbedingungen einzufordern.
  2. Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft und Bürgerschaft im Rahmen eines Multi-Stakeholder-Ansatzes. Sie spielen gerade bei der Umsetzung und Akzeptanz von Reformen eine wichtige Rolle. Letztendlich wurde im Jahre 2010 primär auf Druck der Zivilgesellschaft das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser von der UN-Vollsammlung verabschiedet, an dem sich die Staaten nun messen lassen müssen.
  3. Langfristig angelegte Betreiberpartnerschaften helfen Versorgungsunternehmen nachweislich dabei, ihre Effektivität und Effizienz zu verbessern, um nachhaltigere und integrative Dienstleistungen zu erbringen. Dabei sei auch hier ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur auf spezifische Techniken fokussiert ist, sondern abteilungs- und sektorübergreifend zusätzlich die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen in den Blick nimmt, wichtig, um die Versorgung der gesamten Bevölkerung zu verbessern.

„Es ist sehr wichtig, sich auf Governance und Personal zu konzentrieren. Wir müssen Ausbildungspartnerschaften entwickeln. In vielen Fällen fehlt es in einer Reihe von Versorgungsunternehmen an qualifiziertem Personal. Dies ist eine der größten Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind und die wir angehen müssen.“                                    Anne Le Strat

 

Die Global Water Operators' Partnerships Alliance (GWOPA), ein Programm von UN-Habitat, ist ein internationales Netzwerk, das 2009 gegründet wurde, um Wasserbetreiber durch Beteiberpartnerschaften zu unterstützen. Es feiert in diesem Jahr sein 15jähriges Bestehen und hat in dieser Zeit viel erreicht: Über 400 Partnerschaften aus über 70 Ländern beteiligen sich und verbessern die Lebenssituation von über 58 Millionen Menschen. Betreiberpartnerschaften haben sich zu einem erfolgreichen globalen Instrument entwickelt, in das sich die deutsche Betreiberplattform erfolgreich einreiht. Ein zentrales Element ist hier der „Non-Profit-Gedanke“ bei der gegenseitigen Unterstützung. Auch Süd-Süd-Partnerschaften haben sich bewährt, wie beispielsweise bei der Slum-Sanierung und dem Pro-Poor-Growth Programme in Kenia, unterstützt von UN-Habitat. Um die langfristige Zusammenarbeit in den Partnerschaften abzusichern, sei jedoch neben guten Governance-Strukturen die Finanzierung sehr wichtig. Für GWOPAs zweite Phase werden derzeit neue Kriterien definiert, anhand derer neue Finanzmittel freigegeben werden können.

Die weltweiten Herausforderungen sind trotz aller bisherigen Erfolge nach wie vor immens: 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, 3,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen, und 2 Milliarden Menschen verfügen nicht über die grundlegendste Hygieneversorgung.

 
Da die nationalen Regierungen in vielen Ländern versagt haben, habe nun die Stunde der lokalen öffentlichen Unternehmen, Institutionen und Regierungen geschlagen, hier eine Führungsrolle zu übernehmen. Dass sie eine Schlüsselrolle in der Grundversorgung der Bevölkerung einnehmen können, haben sie bereits während der Corona-Pandemie gezeigt.

Mit dieser Aufforderung an die Teilnehmenden schloss Anne Le Strat ihren Beitrag auf der Netzwerkveranstaltung der Betreiberplattform.

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Weitere Informationen und alle Präsentationen der Session befinden sich auf der Dokumentation des 7. Netzwerktreffen der Betreiberplatttform.


erstellt von:
Burkhard Vielhaber, Betreiberplattform


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